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Mechthild rex-najuch

Im Angesicht der Angst

Wir leben in einer schwierigen Zeit. Nicht Covid-19 prägt sie – unsere Angst tut es. Deswegen möchte ich mich heute den Mechanismen von Angst widmen und den Versuch wagen, das Einsortieren von Aussagen zu erleichtern.

Ich beginne mit dem Thema Angst:

Angst wächst, wenn wir nicht genug wissen.

Die beste Kur wäre also, Wissen zu erzeugen. Dafür bekommen wir Zahlen geliefert. Zahlen, die ohne Bezug zu Vorjahren oder vergleichbaren Situationen, keine wirkliche,nachvollziehbare Bedeutung haben können.

Über COVID-19 wissen wir ganz viel nicht, stattdessen erwarten wir, spekulieren und machen Hochrechnungen. Obwohl man mit Mathematik mehr Realität abbilden kann als den meisten von uns bewusst ist, können wir Hochrechnungen nur dann wirklich interpretieren, wenn wir die zugrunde liegende Formel kennen und beurteilen könnten. Das übereinstimmende Credo in den Medien: Wir sind noch davor. Der Sturm ist noch nicht da. Wir erleben also erhebliche Einschränkungen aufgrund einer mathematischen Schätzung, die möglicherweise stimmt oder eben auch nicht.

Angesichts der furchtbaren Bilder von Massengräbern ist das schwer zu verarbeiten. Daher werden unterbewusst all die Ängste getriggert, die vorher gerade noch in Schach gehalten wurden – durch politische Versprechungen, starke Männer, die alles hinbekommen, durch die Analyse wie sehr man der Risikogruppe entspricht – wieder fehlen verlässliche Fakten. Fragen tauchen auf:

  • Was ist der wirkliche Grund für das Problem?
  • Ist das Virus wirklich so ein Killervirus? (Ist es nicht, auch darin besteht Übereinstimmung. Andere Viren sind viel aggressiver, aber dieser Stamm ist neu)
    →Was bedeutet das schon wieder?
Die wirklich richtige Wahrheit ist, dass sich Viren permanent verändern und unsere Immunsysteme sich daran anpassen.

Also Entwarnung? Wieder nicht, denn dieses Virus macht ein Symptom, das wir fürchten – beatmungspflichtige Lungenentzündung. Das ist ein entscheidender Unterschied zu anderen Grippeviren, an denen auch viele Menschen sterben, aber eben nicht so. Glücklicherweise haben die meisten Infizierten nicht diesen schweren Verlauf.

Schauen wir genauer hin: Unser Gesundheitssystem wurde kaputtgespart. Wir sind nicht für Notfälle gewappnet. Also Aufrüsten – wieder so ein Wort. Beinhaltet es Frieden oder Krieg? Hier kommen wieder mathematische Schätzungen ins Spiel. Was, wenn alle auf einmal krank werden und beatmet werden müssen. Nun gut, das ist unwahrscheinlich. Aber, wenn die zu erwartenden Erkrankungen mit schweren Verläufen alle auf einmal geschehen würden, könnten wir es nicht leisten. Eine erneute Berechnung und Einschätzung sind erforderlich. So geht es immer weiter und jede drohende Erleichterung wird sofort relativiert, ganz einfach, weil keiner in die Zukunft schauen kann und keiner weiß, wie es wird.

Entscheidungen sind immer davon abhängig, auf welchen Ausschnitt der Realität wir schauen. Wenn ich also Angst erzeugen möchte, muss ich nur einen Ausschnitt darstellen, der Angst schürt. Massengräber, Tote, Atemschutz, Infizierte … allesamt Auslöser für berechtigte Angst.

Aber es gibt auch eine andere Realität: Ich gebe zu, ich genieße die Stille, die sich wie ein Mantel über die Natur gelegt hat. Unsere Umweltwerte waren seit Jahrzehnten nicht so gut. Und das nur, weil wir uns ein paar Wochen zurückhalten. Was hält uns ab, dies immer mal zwischendurch freiwillig zu tun oder sogar regelmäßig? Für unser Überleben auf diesem Planeten – das wäre doch etwas?

Ich freue mich, dass ich gesund bin, an meinem schönen Garten, dem Erwachen des Frühlings, an den Tieren, die aufatmend und überall sichtbar und hörbar sind – einfach den Tanz des Lebens, den Natur seit Jahrmillionen vollführt. All das ist auch da und all das könnte mich in meinem Vertrauen stärken, dass uns jenseits von Impfideen Alternativen des Überlebens zur Verfügung stehen. All das würde gegen die Angst wirken, ohne zu bagatellisieren. Namhafte Virologen wie Karin Mölling, die ihr Leben der Erforschung von Viren gewidmet hat, beschreibt Viren als die Treiber der Evolution. Wenn ich annehme, dass sie recht hat, dann stellt sich mir die Frage, woran wir uns dieses Mal anpassen sollen?

Wir sehen, dass Menschen in umweltbelastenden Gegenden statistisch mehr schwere COVID-19-Verläufe zeigen. Müssen unsere Systeme lernen, mit der enormen Umweltbelastung umzugehen? Könnte es darum gehen? Ich gebe zu, der Gedanke ist schräg und doch ist er nicht vollkommen von der Hand zu weisen. Wir müssen immunologisch offensichtlich viel lernen, denn in den letzten Jahrzehnten haben sich die Epidemien tatsächlich auffallend gehäuft.

Wenn wir allerdings von Angst gesteuert sind, dann sind solche Gedankenspiele unerlaubt. Dann ist jede noch so zaghafte Frage danach, ob das alles angemessen ist, eine Gefahr. Selbst in Fachkreisen wird kein Zweifel mehr zugelassen. Andere Meinungen können nicht gehört werden, sondern werden mit einem Shitstorm beantwortet, dem gerade noch der Vorwurf fehlt, durch den Zweifel ein potenzieller Mörder zu sein.

Interessant ist folgendes: Je länger der Shutdown dauert, desto dramatischer werden die wenigen Gegendarstellungen. Sie werden sofort als Fake-News gebrandmarkt, Videos werden blockiert, gelöscht, sollen zur Anzeige gebracht werden. Damit opfern wir eine wesentliche Grundlage der Demokratie.

Wir müssen unsere Meinungen sagen dürfen, wir müssen uns zuhören und dann den eigenen Standpunkt finden. Keine liberale Zensur darf diesen Prozess stören. Dazu müssen wir wissen, was die richtigen Nachrichten sind. Müssen wissen, welche Vergleichswerte zu ähnlichen Situationen vorhanden sind.

Unabhängig davon sind Fragen berechtigt, die da lauten:

  • Wie lange können wir uns das noch leisten?
  • Wie begegnen wir der Zunahme eskalierender häuslicher Gewalt?
  • Wie viele Hotels sollen noch gemietet werden, weil die Frauenhäuser voll sind
  • Was ist mit den Selbstmorden, der Lebensverkürzung durch anhaltende Angst
  • Was ist mit all den Existenzen, die vernichtet werden? Rettungsschirme können das nicht vollständig auffangen.
  • Wieso wird die Triage erst jetzt beachtet? Jeder Notarzt muss sie an Unfallorten durchführen. Niemand stellt die Frage, wie die jeweiligen Medizinier damit umgehen. Niemand verweist auf das ethische Dilemma, dem sich bestimmte Gruppen regelmäßig stellen müssen.
COVID-19 lässt vieles aufbrechen, was schon länger nicht gut funktioniert. Wir sind jetzt alle gefragt, als wache Gemeinschaft zu handeln. Nicht als Lemminge, die blind folgen und zu Tode stürzen.

Nachdem wir seit Wochen nur auf das Virus und auf Zahlen ohne vollständigen Bezug starren, wird die Situation beim Einkaufen, beim Spaziergang und in den Nachrichten gespenstischer.

Parallel schaut eine Gruppe von Virologen um Prof. Dr. Streeck auf die Umgebungsbedingungen des Virus. Ihre Ergebnisse werden am Dienstag nach Ostern der Bundesregierung vorgestellt. Die Resultate sind hilfreich und eröffnen die Möglichkeit anderer Vorgehensweisen. Wie diese von der Politik umgesetzt werden, bleibt spannend. Ob es auch für diese Varianten ein Szenario gibt? Davon können wir ausgehen.

Gleichzeitig beeindruckt mich, wie wir uns insgesamt doch schnell an die neuen Regeln angepasst haben. So machen Menschen das einfach. Ich wünsche uns, dass es uns gelingt, aus dieser Krise das Richtige zu lernen. Und wenn es nur ist, dass Angst kein guter Ratgeber ist, der beim Denken hilft.

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