Das tapfere Grün

Eine neue Geschichte aus dem Farbdialog mit Ignasi. Dieses Mal geht es um das tapfere Grün. Als ich mit diesem Text fertig war, wurde mir bewusst, wie aktuell er ist. Deswegen ist er mit meinem neuen Blog “Beyond Reality” bei Kamphausen Media verbunden.

Das tapfere Grün

Um ihn herum tobte das Leben. Verzaubert stand er auf seinem Stuhl, ganz in Grün, mit einer Grünpflanze in der Hand. Er konnte den Blick nicht von der Frau vor sich wenden. Ihre dunkle Haut bildete den perfekten Kontrast zu ihrem leuchtend-roten Kleid und sie konnte schweben. Nicht nur das, sie wirbelte durch die Luft und keine Schwerkraft der Welt konnte sie daran hindern. Zumindest schien es ihm so. Zögernd schaute er sich um. Auf dem Stuhl stehend hatte er einen größeren Überblick, ganz anders, als wenn er auf dem Boden stand. Und dann geschah das Wundervolle. Er entdeckte, dass er nicht allein war. Auch andere Menschen befanden sich auf Stühlen, ein jeder auf seine Art. Als wären Stühle ein Symbol für Sicherheit.

Weiter entfernt balancierte das fröhliche Rosa gewagt auf seinem kippeligen Stuhl – kippelige Sicherheit. Gleich daneben hatte sich das mächtige Schwarz breitgemacht. Zwei Gerüche umspielten seine Nase. Ah, da vorne rechts war die Quelle für den Orangenduft. Mit ihrer Körperwärme sorgte die Frau dafür, dass der Geruch intensiv blieb. Orange erschien ihm kraftvoll und ausgeglichen. Und dann war da noch der andere Duft. Schwarz, bitter, dunkel. Er brauchte eine Weile, bis er die dampfende Tasse auf dem Boden erkannte. Ob die wohl etwas mit dem mächtigen Schwarz hinter ihm zu tun hatte? 

Um das herausfinden zu können, hätte er sich vollständig umdrehen oder gar seinen Stuhl verlassen müssen. Das erschien ihm zu gewagt. Aber für den kleinen, risikolosen Blick zur Seite war er bereit. Dort strahlte das fröhliche Gelb. „Mmmh“, dachte er, „daher kommt der kleine Gesang.“

Sein Rücken kribbelte. Unerwartete Wärme breitete sich aus. Nochmals schaute er sich um. Gleich neben dem fröhlichen Gelb strahlte die Sonne. Davon wollt er so viel wie möglich haben. 

Aber er stand auf seinem Stuhl, der Ausblick gefiel ihm, er liebte seine Grünpflanze und wusste keine Lösung. Wie sollte er alles gleichzeitig erkennen? Also richtete er seinen Blick in den Himmel, und dann waren sie plötzlich da, alle Farben. Jede Möglichkeit spiegelte sich im klaren Blau. Selbst Schatten gehörten einfach dazu. 

Ein Gedanke breitete sich in ihm aus: Im Moment bin ich das tapfere Grün. Und ich könnte jede andere Farbe sein. 

Zögerlich stieg er von seinem Stuhl, der Boden erschien ihm unerwartet sicher. Mit ein paar Schritten vergewisserte er sich, und dann ging er los. Mitten hinein ins pralle, wilde und bunte Leben. Furchtlos. Ohne zu wissen, wohin es ihn führen würde.

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