Was ist eigentlich Stammesbewusstsein?

Ein großes Wort, bestehend aus zwei großen Worten – Stamm und Bewusstsein. Weißt Du, was sie bedeuten? In jedem Fall möchte ich Dir meine Sicht anbieten. Stets in der Hoffnung, dass wir uns in Gedanken begegnen. Es beginnt, wie immer, mit Begriffsbestimmungen. So nervig sie sein mögen, ohne klare Begriffsbestimmungen sind Verständigung, Kommunikation und gemeinsames Denken nur schwer machbar.


„Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse.“ Antoine de Saint-Exupéry


Wenn Sprache der Anfang von Missverständnissen ist, dann ist sie auch der Beginn von Verständigung. Also ans Werk.

Was ist ein Stamm?


Ein Stamm besteht aus einer größeren Gruppe von Menschen, die meist in einem bestimmten Gebiet leben. In der Regel teilen sie dieselbe Sprache und Kultur. Auch ihre Überzeugungen und Bräuche stimmen überein. Eine andere Definition bezeichnet einen Stamm als eine Gruppe von Menschen, die einen festen Kern von etwas ausmacht. So etwas wie ein eingeschworenes Team. Diese Begriffsbestimmung scheint mir einfach zu sein. Anders sieht es mit dem Wort Bewusstsein aus.


Was ist Bewusstsein?


Der Begriff Bewusstsein wird unterschiedlich gebraucht. Je nach Fachgebiet und Sprache wird eine andere Facette erfasst. Bewusstsein ist grundsätzlich ein Zustand, in dem ein Mensch mit allen Sinnen seine Umgebung erkennt und verarbeiten kann. Abgeleitet vom mittelhochdeutschen Wort bewissen, was so viel bedeutet wie Wissen über etwas habend, geht die lateinische Wortbedeutung mit dem Begriff Mitwissen einen Schritt weiter. Im Griechischen gibt es die Bedeutungen von Mitwissen, Mitwahrnehmung, bei Sinnen sein und Denken. Naturwissenschaftlich wird die Erforschung von definierbaren Eigenschaften bewussten Erlebens in den Mittelpunkt gestellt. In der Medizin meint man mit Bewusstsein, dass jemand ansprechbar ist, also das Gegenteil von bewusstlos sein.


Bewusstsein entwickelt sich


Teilweise gibt es Überschneidungen mit den Begriffen von Psyche, Seele oder Geist. Philosophisch geht es um die Klärung von Weltbild, zentralen Bedürfnissen, Werten und theologisch geht es um Gottesvorstellung oder spirituelle Intelligenz. Unstrittig ist die Sicht, dass sich Bewusstsein entwickelt. Dazu gibt es verschiedene Modelle. Jedes erfasst einen besonderen Ausschnitt des ganzen Themas und jede Theorie stimmt in sich. Meiner Meinung nach kommen in jeder Gruppe verschiedene Bewusstseinszustände vor. Sie schwanken mit der jeweiligen Situation, dem inneren Erleben und dem Umfeld. Alter, Bildungsstand, Religion und Wissenschaft – sie alle beeinflussen das Bewusstsein. Es bleibt also schwammig. In jedem Fall entwickelt sich Bewusstsein unabhängig von Erfahrungen. Wir können Erfahrungen nutzen, um Bewusstsein zu üben. Aber Bewusstsein ist nicht zwingend auf Erfahrung angewiesen. Denn ich entscheide, wie ich eine Erfahrung bewerte. Das ist Teil meines Bewusstseins.


Eine Kombination und ihre Folgen


Die Kombination der Worte Stamm und Bewusstsein erschafft eine Möglichkeit. Eine, die eigentlich einfach ist. Sie meint einen festen Kern innerhalb einer Gruppe zu erschaffen. Eine größere Anzahl von Personen, die sich darin üben, die Menschen als zusammengehörige Gruppe wahrzunehmen. Das ist die wesentliche Übereinstimmung. Dazu muss man nicht am selben Ort leben, dieselbe Sprache sprechen oder dieselbe Überzeugung haben. Wenn ich die Menschheit als Stamm wahrnehme und mein Bewusstsein entsprechend einrichte, dann bin ich nie allein. Dann bin ich immer Teil von etwas Großem. Andere Sitten und Gebräuche sind nur Varianten innerhalb eines Stammes. Werte und Überzeugungen inspirieren sich in ihrer Unterschiedlichkeit und üben meinen Respekt gegenüber anderen. Für mich fühlt sich das weit an. Es fordert mich heraus, in Bewegung zu bleiben, über mich hinauszuwachsen.


Großer Stamm und kleiner Stamm


Innerhalb des großen Stammes der Menschheit, habe ich die Möglichkeit, mir meinen Stamm zu suchen. Wieder geht es nicht um die Vorbilder von Stammeskultur beispielsweise von Naturvölkern. Sondern es geht um eine Gruppe Menschen, mit denen ich mich verbinde, weil wir etwas gemeinsam haben. Mein eigener, kleiner Stamm kann meine Herkunftsfamilie sein oder meine Gegenwartsfamilie oder beides. Sie kann aus Freunden bestehen und Kollegen. Ich ziehe die Möglichkeit meinen Stamm selbst zu wählen der Variante in einen Stamm hineingeboren zu werden vor. Oftmals trifft beides zu. In jedem Fall bildet sich aus Stammesbewusstsein ein Stamm, der nicht aus der Herkunft, sondern aus Bewusstsein entsteht. Immer, wenn ich mich als Stammesmitglied fühle, unabhängig ob vom großen oder kleinen Stamm, entstehen für mich die Momente, in denen ich die Welt vollkommen finde. Ein friedlicher Zauber und davon brauchen wir mehr denn je.

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