Aus der Welt der Unbunten

Aus der Welt der Unbunten - oder die Bedeutung die ich meine.
Eine farbige Gefühlswelt zu haben, ist gar nicht so ungewöhnlich, wie es klingen mag. Neulich schickte mir mein Freund Ignasi Blanch Gisbert eine lange Mail, eine zum Plaudern, weil er meinen Blog über Rosa Zonen gelesen hatte. „Mir gefällt die Kombination von Farben mit Gefühlen“, schrieb er.

Mir gefällt sie auch, ganz einfach, weil sie für mich natürlich ist. Nachdem ich schon über die Farbe des Lachens geschrieben habe (hier mein Artikel dazu) und deren kleiner Schwester, des Lächelns, sollte es heute eigentlich nur um eine Farbe gehen: Schwarz. Doch wie so oft kommt es anders, als man denkt. Offiziell ist Schwarz nämlich gar keine Farbe, sondern es ist unbunt. Und es hat unbunte Geschwister.

Was bedeutet „unbunt“? Nun, die Netzhaut des Auges nimmt keine oder nur eine geringe Intensität im sichtbaren Spektrum der Lichtwellen wahr. Technisch beschrieben klingt das nüchtern. Philosophisch betrachtet bietet es Raum zur gedanklichen Reflexion. Ich finde, das passt zum Licht, und deswegen wird es in diesem Text um Bedeutungsrahmen und die unbunten Farben gehen: Grau, Schwarz und Weiß. Wie ein Geschwistertrio, dessen Gemeinsamkeit nur in seiner Bewertung liegt, nicht aber in der Fähigkeit, Licht zu reflektieren.

Ein Blick auf die Unbunten

Während Schwarz vor allem fast kein Licht zurückwirft, reflektiert Weiß das Licht sehr stark. Bei Grau ist der Grad der Lichtwellenreflexion davon abhängig, wie hell oder dunkel es ist. Grau ist das Chamäleon, dem es gelingt, andere Farben nach vorne zu bringen und ihre Wirkung jeweils zu verstärken. Daher sind nachts auch alle Katzen grau, weil das fehlende Licht keine Farbwirkung in uns erzeugt.

So gesehen sendet Schwarz also nichts aus. Eine komische Vorstellung, wenn ich die Ausstrahlung von Macht beobachte, die schwarz gekleidete Menschen umgibt.

Als Kind habe ich mich vor Schwarz gefürchtet. Es war dunkel und ich konnte nicht viel erkennen. In der Mode sieht man Schwarz ganz anders. Da bringt es das hervor, was zu sehen sein soll, nämlich die anderen Farben oder den raffinierten Schnitt, von dem nichts ablenken soll. Schwarz ist cool, puristisch, philosophisch oder gar raffiniert.

Für Ignasi gibt ein schwarzer Stift die Kontur. Schwarz erschafft die Form, wenn er zeichnet. So gesehen ist Schwarz wirklich wichtig, denn mit Konturen ist die Welt erkennbar. Ein guter Zustand.

Grau hat viele Möglichkeiten. Es kann betonen, eine andere Farbe schlucken oder neutral sein. Die meisten von uns kennen Momo und die grauen Herren, die die Zeit stehlen. Manche verbinden mit Grau das Alter. Dabei ist Grau sehr elegant, denn es lässt die anderen Farben mehr leuchten – genau wie Schwarz. Und die verschiedenen Grautöne eines Schwarz-Weiß-Fotos wirken kunstvoll, holen manchen Ausdruck hervor, der sonst unentdeckt bleiben könnte.

Weiß ist die Farbe der Unschuld, von Taufen, Hochzeiten und anderen Festen. Weiß ist prächtig und es ist positiv besetzt, zumindest in unserer Kultur. Scheinbare Ausnahme bilden die Beerdigungsblumen, die oft weiß sind. Allerdings stehen sie nicht für Trauer, sondern für die Hoffnung auf ein besseres Danach.

Fest steht: Schwarz, Weiß und Grau sind drei unbunte Farben, die keine eigene Bedeutung haben, sondern denen wir eine geben. Jede so erschaffene Bedeutsamkeit ist individuell und kann jederzeit variiert werden. Selbst wenn wir uns im gesellschaftlichen Kontext mehrheitlich auf eine Interpretation verständigt haben, bleibt immer eine Möglichkeit offen: Wir könnten wählen, unsere Freiheit zur Entscheidung auch bei den Unbunten positiv zu nutzen.

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